Amtsgericht München: Reisepreisminderung bei ausgefallenen Anlaufhäfen möglich
In einem aktuellem Urteil hat das Amtsgericht München geurteilt, das Routenänderungen nur dann nicht von der Reederei zu verantworten sind, wenn die Gründe hierfür erst nach Vertragsabschluss eingetreten sind. Im konretem Urteil waren drei von acht geplanten Anlaufhäfen entfallen und das Amtgesricht sprach einem Ehepaar eine Minderung des Reisepreises in Höhe von 5.271 Euro um 25 Prozent zu.
Das Ehepaar hatte eine dreiwöchige Kreuzfahrt von Durban nach Europa gebucht. Zu Beginn der Kreutzfahrt wurde ihnen dann allerdings mitgeteilt, dass drei Anläufe entfallen müssen. Als Grund wurde befürchtete Piratenangriffe im Golf von Aden genannt. Es entfielen die Anläufe in Sansibar, Safaga und Soukhna. Hinzu kam ein Aufenthalt in Sharm El Sheik.
Das Ehepaar verlangte hierauf hin eine 50-prozentige Senkung des Reisepreises. Der Reiseveranstalter lehnte dieses mit der Begründung ab, dass die Geschäftsbedingungen Änderungen der Routen zulassen und dieses aufgrund der Gefahr durch Piraten notwendig gewesen wäre.
Das Amtsgericht sah eine wesentliche Änderungen der Route. Eine Änderung der Route sei nur zulässig wenn der Grund hierfür nach Vertragsabschluss auftrete. Die Gefahr durch Piraten sei zum Zeitpunkt der Buchungsbestätigung allerdings schon bekannt gewesen. In diesem Falle müsse der Reiseveranstalter dafür sorgen, dass die Häfen angelaufen werden können. Zum Beispiel durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen. Das Amtgericht nennt hier bewaffnete Patrouillenboote. Andernfalls hat es hinzunehmen, dass die Passagiere ein Recht auf Minderung des Reisepreises haben.
Allerdings kam das Amtsgericht München zu dem Schluß, dass eine Minderung von 25 Prozent ausreichend sei, denn ein Großteil der Reise war nicht beeinträchtigt.
Amtsgericht München, Urteil vom 14. Januar 2010 – 281 C 31292/09 (rechtskräftig)
Piratengefahr: Seabourn ändert Planungen für die Seabourn Legend
Ursprünglich hatte Seabourn Cruise Line die Seabourn Legend für Kreuzfahrten im indischem Ozean vorgesehen. 5 Monate lang sollte die Seabourn Legend ab Ende 2010 im indischem Ozean kreuzen und unter anderem die Seychellen, Madagaskar, Zanzibar und Kenia anlaufen. Die andauernde Bedrohung durch Piraten hat Seabourn Cruise Line nun zum Umdenken gebracht. Sorgen bereitet Seabourn dabei dass zu durchquerende Seegebiet, nicht aber die Ziele selber.
Statt Kreuzfahrten im indischem Ozean wird die Seabourn Legend nun im Winter 2010\2011 vom Mittelmeer in die Karibik wechseln. Während der 7-täigen Karibikkreuzfahrten werden unter anderem Fort Lauderdale, St. Thomas und die US Virgin Islands angelaufen.
Kreuzfahrten durch Piratengebiet
Die Welt hatte diese Woche einen interessanten Artikel zu Kreuzfahrten durch dass von somalischen Piraten bedrohte Seegebiet veröffentlicht. Derzeit ist das Thema nicht so aktuell. Allerdings weil dort zu dieser Jahreszeit keine Kreuzfahrtschiffe unterwegs sind. Diese befinden sich im Mittelmeer oder noch weiter nördlicher in Nord- und Ostsee. Die Saison für den Golf von Aden ist der Frühlung und der Herbst. In diesem Zeitraum passieren viele Kreuzfahrtschiffe die Meerenge um Dubai und den indischen Ozean zu erreichen.
Trotz der Bedrohung durch die Piraten halten eine Reihe von Reedereien an Kreuzfahrten fest, die den Golf von Aden passieren sollen. Hierzu gehören Aida Cruises, Delphin Kreuzfahrten, Phoenix Reisen, Transocean Tours und Costa Kreuzfahrten. Auch die Nachfrage der Passagiere soll “robust” sein. Die Stornozahlen sollen sich in Grenzen halten. Bei MSC Kreuzfahrten scheint man hingegen kein Risiko mehr eingehen zu wollen. Nachdem die MSC Melody im April von Piraten angegriffen wurde, wird die MSC Sinfonia nun die Westküste Afrikas Richtung Südafrika befahren. Auch Plantours & Partner hat seine Routenplanung für die MS Vistamar im Winter 2011 geändert und die 2 Durchfahrten des Golf von Aden gestrichen.
MSC Melody im indischem Ozean von Piraten angegriffen
Gestern abend gegen 21:35 Uhr haben Piraten versucht das Kreuzfahrtschiff MS Melody zu entern. Die mit Kalaschnikows bewaffneten Piraten griffen die MS Melody mit Schnellbooten an und feuerten Schüße ab. An Bord der MS Melody befanden sich allerdings Sicherheitspersonal, dass die Schüße erwiederte und so die Piraten in die Flucht schlagen konnte.
Während des Vorfalls waren die Passagiere aufgefordert worden in ihren Kabinen zu bleiben und das Licht zu löschen. Es sollen nach Informationen von Spiegel zumindest 50 Schüsse gefallen sein.
Die MSC Melody befand sich auf dem Weg von Seychellen nach Genua. Unter den 991 Passagieren und 536 Besatzungsmitgliedern sollen sich auch viele Deutsche befinden. Nachdem der Angriff abgewehrt wurde, hat die MSC Melody Kurs auf die jordanische Hafenstadt Akaba genommen.
Erst vor wenigen Tagen hatte MSC Kreuzfahrten ausgerechnet für diese Kreuzfahrt der MSC Melody in einer Pressemitteilung eine Kursänderung bekannt gegeben. Um Piraten auszuweichen, erhöhte man die Distanz zur somalischen Küste um 400 Meilen. Dazu hat man auch einen Zielort ausfallen lassen. Von dieser Änderung versprach man sich “totale Sicherheit und Seelenfrieden für Gäste und Crew” …
MS Deutschland trifft auf Fregatte “Rheinland-Pfalz” mit Piraten an Bord
Das aus der Traumschiff-Serie bekannte Kreuzfahrtschiff “MS Deutschland” der Reederei Peter Deilmann ist während ihrer Passage durch den Golf von Aden durch die deutsche Fregatte “Rheinland-Pfalz” begleitet worden. Die MS Deutschland befand sich auf dem Weg von Muscat nach Suez. An Bord befinden sich noch immer neun somalische Piraten, die von der Fregatte vor einigen Tagen festgenommen wurden, als die Piraten versuchten einen deutschen Frachter zu kapern. Die Passagiere nutzen die Gelgenheit um reichlich Fotos von der Fregatte zu machen, während diese in wenigen Metern Abstand die MS Deutschland begleitete. Laut “Bild am Sonntag” kommentierte Traumschiff-Produzent Wolfgang Rademann die Begleitung mit den Worten:
Ganz schön aufregend! Ein historischer Moment! Die Fregatte begleitete unser Traumschiff eine Stunde lang. Die Passagiere machten Fotos.
Nach dem Ende ihres Geleitschutzes hat sich die Rheinland-Pfalz auf den Weg nach Mombasa gemacht, dort werden die gefangenen Piraten den kenianischen Behörden übergeben um sie dort vor ein Gericht zu stellen.
Somalia: Piraten greifen Kreuzfahrtschiff Balmoral an
Nach ersten Berichten wurde das Kreuzfahrtschiff Balmoral im Golf von Aden von somalischen Piraten angegriffen. An Bord des Schiffes befinden sich 1300 Passagiere. Die Piraten sollten Panzerfäuste gegen das Schiff eingesetzt haben. Dem Schiff soll dann aber die Flucht im Zick-Zack-Kurs gelungen sein.
Soweit richtig ist wohl, dass die Balmoral zwei kleine Boote entdeckt hat, die sich dem 43.000 BRZ-Schiff mit etwa 20 Knoten genähert haben. Daraufhin sendete sie ein Notsignal um die Royal Navy und amerikanische Schiffe zu alarmieren. Ein Schiff der US-Navy kam der Balmoral zu Hilfe und eskotierte sie weiter durch das gefährliche Seegebiet.
Aktuellere Berichte sagen nun aus, dass es sich lediglich um eine Vorsichtmaßnahme gehandelt hat. Außerdem solle es sich gar nicht um Piraten gehandelt haben, sondern lediglich um Fischer. Eine Stunde nach der ersten Sichtung hat ein zur Hilfe gekommenes Kriegsschiff das Seegebiet wieder für “frei” erklärt.
Gestern lief die Balmoral schließlich sicher in den Hafen von Salalah im Oman ein.
Piraten-Kreuzfahrt: Verband deutscher Reeder fordert Vorsicht
Der Verband deutscher Reeder (VDR) hat seine Mitglieder bei Fahrten durch den Gold von Aden zu aller größter Vorsicht gemahnt. Wie die Hessische/Niedersächsische Allgemeine berichtet, verweisst der VDR-Hauptgeschäftsführer Hans-Heinrich Nöll darauf, dass man den Reedern keine Vorschriften machen kann, jedoch weist er darauf hin, dass es um viele Menschenleben geht und das ein Vorfall mit Piraten natürlich entsprechend negative Auswirkungen auf das zukünftige Kreuzfahrt-Geschäft haben dürfte.
Bis Ende März sollen nach derzeitigen Planungen noch 4 Kreuzfahrtschiffe das Gebiet durchqueren. Dazu gehört auch die MS Deutschland der Reederei Deilmann. Außerdem besteht der Costa Europa und der MS Astor Ende März eine Durchquerung des Gebietes bevor. Die Unternehmen wollen sich bisher noch nicht entscheiden, wie sie reagieren werden. Durchaus möglich und vermutlich sogar das Wahrscheinlichste ist, dass sie wie andere Reedereien reagieren und das “Piratengebiet” ohne Passagiere durchqueren werden. Deilmann-Kreuzfahrten verweist auch darauf, dass man unter deutscher Flagge fährt und daher gegebenenfalls Geleitschutz durch die Marine beantragen will. Es ist allerdings mehr als ungewiss, ob Geleitschutz gewährt werden würde. Die allgemeine Meinung ist, dass Kreuzfahrtschiffe in diesem Seegebiet einfach nichts zu suchen haben.
Verteidigungsminister Jung warnt vor Kreuzfahrten im Golf von Aden
Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat Kreuzfahrtreedereien beschuldigt, mit Kreuzfahrten in durch Piraten gefährdete Gewässer vorsätzlich das Leben von Passagieren zu gefährden. Er prangerte an, dass der Golf von Aden immer noch von Kreuzfahrtschiffen durchfahren wird. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte Jung:
Die Bundesregierung hat eine klare und deutliche Warnung herausgegeben. Das Gebiet ist so kritisch, dass man es nicht für Freizeitaktivitäten nutzen darf. Wer trotzdem dahin fährt, gefährdet vorsätzlich Leib und Leben seiner Passagiere.
SPD fordert Anmeldung von Kreuzfahrten durch Gefahrenzone
Nachdem nun bereits mehrfach Kreuzfahrtschiffe von Piraten bedroht worden sind und die Kreuzfahrtveranstalter nicht bereit sind, das gefährdete Seegebiet zu meiden, kommt von der SPD ein neuer Vorschlag. Die SPD will, dass die Kreuzfahrten vor Durchquerung der Gefahrenzone bei der Bundeswehr angemeldet werden. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Rainer Arnold hält es für fahrlässig ohne Absicherung durch das gefährliche Seegebiet zu fahren.
Deutsche von Yacht vor Somalia entführt - Lösegeldforderung?
Bereits vor 2 Tagen wurden wohl 2 Deutsche von einer Yacht vor Somalia entführt. Seitdem treffen wiedersprüchliche Informationen ein. Zuerst war unklar ob es sich tatsächlich um ein deutsches Ehepaar handelt, zwischenzeitlich gab es sogar Berichte, nach denen sich ein krankes Kind bei ihnen befinden soll. Was allerdings angezweifelt wir. Vermutungen nach soll dies lediglich die Meldung dramatisieren um so schneller an die Lösegeldforderung zu kommen. Als relativ sicher wird derzeit wohl angesehen, dass es sich beim Ehemann um einen Deutschen handelt. Er soll aus Baden-Württemberg stammen.
Die vor dem Horn von Afrika kreuzende Fregatte Emden hatte aufgrund ihrer Entfernung zum Entführungszeitpunkt keine Möglichkeit einzugreifen. Sie befindet sich im Rahmen eines Anti-Terror-Einsatzes in den Gewässern.
Vor der Besegelung der somalischen Küsten wird wegen der hohen Pirateriegefahr eindringlich gewarnt und empfohlen einen Abstand von 100 Seemeilen zu halten.